Donnerstag, 8. Februar 2018

50 Jahre Patina

Kerzenleuchter

Wie es aussieht, wenn man silberne Kerzenleuchter Jahrzehnte lang nicht putzt, zeigt hier eine Vorher- und Nachher-Studie. Silber hat die Eigenschaft, dass es in im Laufe der Zeit "anläuft" und sich dunkel verfärbt. Damit es wieder richtig glänzt, muss das Poliertuch ordentlich geschwungen werden, um die wahre Schönheit unter der Verkrustung hervorzuholen.


Kerzenleuchter vor und nach dem Polieren
Kerzenleuchter vor und nach dem Polieren

Kerzenleuchter vor und nach dem Polieren

Warum das Ganze?

Es handelt sich hier bei um dreiarmige Kerzenleuchter, welche bei der Aussetzung des Allerheiligsten zum Einsatz kommen. Einblick in das Zermonienbüchlein von Joh. B. Müller von 1954 verrät unter

Anhang II

Einige Winke über die Aussetzung des Allerheiligsten, dort steht:


1. Schmuck am Expositionsaltar.

b) Was die Zahl der Kerzen angeht, so werden für die öffentliche Aussetzung des Allerheiligsten zwölf weiße Wachskerzen als Minimum angesehen, bei Tag und bei Nacht. Ob man sich unter Umständen mit sechs Kerzen begnügen könne, hat der Ordinarius zu entscheiden.

... soweit das Zermoniebüchlein, zum Nachlesen hier. Da ein Altar in der Regel mit 6 Kerzen ausgerüstet ist, kann so ein schnelleres Zu- und Abrüsten des Altares mit den dreiarmigen Kerzenleuchtern auf 12 Kerzen ermöglicht werden.

Wie ein sauber polierter Kerzenleuchter am Altar wirkt, zeigen die folgenden Bilder:


Kerzenleuchter am Altar

Kerzenleuchter am Altar

Kerzenleuchter am Altar



Enden möchte dieser Blogeintrag mit folgendem Zitat:

"Indem wir lernen zu bewundern, heilen wir uns von den schlechten Angewohnheiten der Mittelmäßigkeit."
Nicolás Gómez Dávila


Sonntag, 28. Januar 2018

Danke für 70.000 Besuche!

Als wir im Januar 2013 mit unserem kleinen Blog zur Tridentinischen Messe in Mönchengladbach  Die "Alte Messe in Mönchengladbach" angefangen haben, haben wir nicht gehofft, dass er jemals solche Resonanz erhalten würde.

Unser Ziel war und ist es, über die Heilige Messe in Mönchengladbach aufzuklären und zu informieren. Wir wollen erreichen, dass die Schweigespirale, die die tridentinsche Messe im Bistum Aachen umhüllt, durchbrochen wird, Ängste und Vorurteile abgebaut werden. 70.000 Klicks auf unseren Blog werden in diesen Tagen erreicht werden. Nicht zuletzt auch mit unserem Auftritt auf Facebook geht es gut voran.

Als Dank für die treuen Besucher auf unserem Blog gibt es hier einen kleinen Leckerbissen.

Kempf's Liturgik: In Gottes Tempel, hier
Ein gymnasiales Oberstufenbuch über die Liturgik
Ausgabe 1933

Das reich bebilderte Buch kann als Nachschlagewerk benutzt werden, es vermittelt Basiswissen, erklärt Begrifflichkeiten aus dem Alltag der Kirche in den drei Bereichen:

I. von den heiligen Orten, an welchen,
II. von den heiligen Zeiten, an welchen,
III. von den heiligen Handlungen, durch welche Gott öffentlich verehrt werden soll.



Kempf's Liturgik: In Gottes Tempel

Probleme beim Frakturschrift lesen? Hier gibt es Hilfe!

Dienstag, 23. Januar 2018

Das STUFENGEBET (15/15)




Zusammenfassung und  Schlußfolgerung

Aus dem urchristlichen Bewußtsein um Heiligkeit und Größe der Eucharistie und der damit verbundenen Forderung nach Buße, „damit euer Opfer rein sei“, entstanden in den verschiedenen Riten diverse rituelle Formen eines Sündenbekenntnisses zu Beginn der Messe. Im Westen steht am Anfang der Entwicklung das stille Verbeugen oder Niederwerfen des Papstes vor dem Altar beim römischen Stationsgottesdienst, bei dem er frei pro se vel pro peccata populi betet. Später verlangten die liturgischen Stilgesetze im Frankenreich, diese Stille förmlich auszufüllen.

Zahlreiche Apologien entstehen, bis im 9. Jahrhundert eine Ordnung aufkommt, die vorherrschend werden sollte und bis heute fortbesteht. Es entstehen die ersten Ansätze des späteren Stufengebets, die zwar alle dieselbe Struktur, aber keineswegs denselben Wortlaut haben. Wir haben gesehen, wie in tastenden Versuchen eine fast verwirrende Vielzahl von Stufengebeten entstehen, bis die Entwicklung endgültig durch die Liturgiereform Pius‘ V. ihren Abschluß findet.

Aus dem historischen Überblick konnten wir die eigentliche Funktion des Stufengebets in der Vormesse erkennen. Von seinem geschichtlichen Ursprung her ist es ein privates Gebet des Priesters mit seinem assistierenden Klerus. Am Anfang stand ein regelrechtes Gegenüber von Priester und Diakon. Es ist, wie J. Brinktrine sagte, „private Vorbereitung des Priesters und seiner ministri“.

Daraus ergeben sich vor allem zwei Folgerungen. Es muß sichtbar bleiben, daß hier der Priester und seine Assistenz (Diakon und Subdiakon bzw. Ministranten, die die ministri sacri vertreten) sich privat auf die Feier der heiligen Messe betend vorbereiten. Gemäß der Maßgabe von Sacrosanctum Concilium, daß jeder Teilnehmer an der Liturgie „nur das und all das tun (soll), was ihm aus der Natur der Sache und nach den liturgischen Regeln zukommt“, ist dementsprechend der Brauch zu vermeiden, in der missa dialogata die Gläubigen das Stufengebet laut mitbeten zu lassen. Das ist eindeutig eine ‚Rollenvermischung‘, die erst mit der Liturgischen Bewegung aufkam und auf einem falschen Verständnis der eigentlichen Funktion des Stufengebets beruht.

Die zweite Folgerung hat mit der ars celebrandi zu tun. Um die Messe würdig und gut zu feiern, ist es wichtig, die Funktion und Bedeutung der einzelnen Teile gut zu kennen und dementsprechend zu vollziehen. Damit das Stufengebet nicht zum leeren Geplapper wird, gilt es, sich in die Bedeutung seiner beider Teile zu vertiefen und wirklich die Sehnsucht zu Gott und seinem Altar und die Reue über die eigenen Sünden zu erwecken.

(Martin Reinecke in: Dominus Vobiscum 10, 2015)

Der ganze Artikel kann bei PRO MISSA TRIDENTINA nachgelesen werden:

Montag, 22. Januar 2018

Das STUFENGEBET (14/15)




„Wenn ihr am Herrentag zusammenkommt, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.“

Der zweite Teil des Stufengebets ist das Sündenbekenntnis mit seiner Umrahmung, das nach Abschluß des Psalms folgt. Das Bewußtsein der Größe der Eucharistiefeier und das dazu erforderliche Freisein von Sünde geht schon aus der Forderung der Didache aus der Frühzeit der Kirche hervor: „Wenn ihr am Herrentag zusammenkommt, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.“ Hier war aber wohl an ein außerliturgisches Bekenntnis der Teilnehmer gedacht. In besonderer Weise gilt die Forderung nach Sündenfreiheit natürlich vom zelebrierenden Priester.

So verlangt die Göttliche Liturgie des hl. Johannes Chrysostomos:
„Bevor der Priester das göttliche Mysterium feiert, soll er zunächst mit allen versöhnt sein und gegen niemand etwas haben. Er soll sein Herz vor bösen Gedanken bewahren...“.
Im Westen legt er im Rahmen seines privaten Vorbereitungsgebetes der Messe ein allgemeines Sündenbekenntnis mit seinen ministri sacri bzw. den diese vertretenden Ministranten ab.

Der dialogische Aufbau des Bekenntnisses entspricht der Forderung  des Apostels Jakobus: „Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet“ (Jak 5,16). Im Gegenüber von Zelebrant und ministri wird die Forderung des Apostels bewußt vollzogen. Es kommt darin auch die soziale und ekklesiale Dimension von Sünde und Vergebung zum Ausdruck.

Im getrennten Sprechen des Schuldbekenntnisses wird auch die besondere Stellung des Priesters  sichtbar. Er ist ebenso wie seine ministri und das gläubige Volk der Schwäche und Schuld unterworfen und auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen, aber kraft seiner Weihe ist er doch von ihnen unterschieden. Daß der Priester das Confiteor allein betet, ist „demütiger Ausdruck dafür, daß der Priester der erste ist, der sich für seine Sünden anzuklagen hat, um würdig die heiligen Mysterien  feiern zu können.“ Während sich alle genseitig der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, ist der Priester der einzige, der kraft seiner Weihe das ehemals sakramental verstandene Indulgentiam sprechen kann.

Die abschließenden Versikel erbitten die Zuwendung Gottes (Deus tu conversus) und seine Barmherzigkeit (Ostende nobis). Das letzte ist die Bitte um das gnadenhafte Kommen Christi in der Eucharistie. Im Aufer a nobis erbittet der Priester sodann beim Aufstieg zum Altar, mit reiner Seele zum Altar hinzutreten zu dürfen.

Dieses Gebet faßt eigentlich das ganze Stufengebet noch einmal zusammen. Am Altar angelangt, legt er die Hände an den Altar und ruft die Fürbitte der Heiligen an (Oramus te, Domine). Der Altarkuß ehrt diesen als Symbol Christi und stellt den Priester in die Gemeinschaft der Heiligen, besonders derer, deren Reliquien sich im Altar befinden (quorum reliquiae hic sunt).

Indem der Zutritt zum Altar im Stufengebet gleichsam schrittweise erbetet wird und von fortwährenden Entsündigungsbitten begleitet ist, zeigt der Ritus eindringlich, wie mit der je größeren Nähe zu Gott das immer stärkere Verlangen einhergehen muß, seiner Heiligkeit zu entsprechen.“

(Martin Reinecke in: Dominus Vobiscum 10, 2015)

Sonntag, 21. Januar 2018

Ist Kloster Mariawald am Ende?


Ist Kloster Mariawald am Ende?

Die Meldung, die zuerst durch Gloria.tv, hier
in Umlauf gebracht wurde, ist erschütternt. Es wurde am vergangen Freitag die Meldung verbreitet, dass die Trappistenabtei Mariawald in der Eifel geschlossen wird. Dies habe „der Vatikan, der Trappistenorden und die Diözese Aachen, in deren Gebiet die Abtei liegt, in Mariawald mitgeteilt“. Noch in diesem Jahr „werden das Kloster und alle seine Besitzungen an die Diözese Aachen übergeben“.

Offenbar handelt es sich bei dieser Meldung, die inzwischen auch aus anderen Quellen bestätigt wird und die inzwischen weltweit Aufsehen erregt, um eine Tatsache, auch wenn weder vom Vatikan, dem Bistum Aachen, noch vom Trappistenorden eine Stellungnahme abgegeben worden ist.

Die Gläubigen um „Die Alte Messe in Mönchengladbach“ bedauern die eingetretene Situation sehr. Wir fühlen uns nach wie vor mit der Abtei und den Mönchen verbunden; nicht zuletzt durch viele Besuche und unser Mitwirken bei den Niederen Weihen in 2014.

Uns bleibt zunächst nur das Gebet, das uns auch in diesem Artikel empfohlen wird:
„Hoffnung für Mariawald und ein engelgleicher Bote“, hier
  

Das STUFENGEBET (13/15)





„Introibo ad altare Dei, ad Deum qui laetificat iuventutem meam”

Diese Vorbereitung besteht, wie schon gesagt, aus zwei Teilen, dem Psalm 42 zum Hinzutritt zum Altar und dem Sündenbekenntnis des Confiteor.

Der Psalm, der ursprünglich auf dem Weg zum Altar gebetet wurde und die Sehnsucht nach dem Altar zum Ausdruck bringt, hat diese ursprüngliche Funktion auch nach der Verlegung an die Altarstufen durch Pius V. nicht verloren. Nach wie vor ist der vierte Vers Introibo ad altare Dei, ad Deum qui laetificat iuventutem meam der beste Ausdruck für das, was gerade geschieht. Der Psalm ist im Alten Testament das „Gebet eines Bedrängten, der fern des Heiligtums sich danach sehnt, wieder an den Festen des Herrn teilnehmen zu können.“ „Dieses Hintreten vor Gott, nach dem es den Sänger verlangt hat, ist eigentlich erst im Neuen Bunde vollends möglich geworden; denn erst durch Christus haben wir das ‚freie Wort und den Zutritt des Vaters‘ (Eph 3,12; vgl. Röm 5,2). Der Altar des Neuen Bundes ist die Stelle, an der sich die Begegnung mit Gott im Diesseits am  vollsten  verwirklichen  darf.“ Der Psalm ist „bestens geeignet, zur Stimme der Kirche zu werden, die in den  äußeren und inneren Bedrängnissen der Welt danach verlangt, vor Gott zu treten, sich von ihm  führen zu lassen und ihn im Lobpreis seiner Treue freudig Dank zu sagen.“ Auf dem Weg zum Altar  hält der Priester an den Altarstufen inne und bringt seine Sehnsucht zum Altar und zu „Gott, der meine Jugend erfreut“ zum Ausdruck.

 „Aber nicht bloß das Hintreten erfüllt sich hier, auch die Situation, aus der der Psalmist zu Gott verlangt, wächst ins Typische. Wenn wir zu Gott wollen, stellt  sich  immer  irgendwo  der homo iniquus [der  böse  Mensch] in den Weg. Und so rufen wir zu ihm, der uns Stärke ist, er möge sein Licht aufleuchten und seine Treue wirksam werden lassen und uns hinführen in montem sanctum, zur Höhe, auf der sich das Opfer von Golgotha erneuern soll.“ Die abschließenden Worte der Freude und des Jubels gelten dann schon der Eucharistie.

(Martin Reinecke in: Dominus Vobiscum 10, 2015)

Samstag, 20. Januar 2018

Das STUFENGEBET (12/15)




Öffentliche Vorbereitung an den Stufen des Altares

Der historische Befund läßt eine solche Deutung nicht zu, auch wenn es im späten Mittelalter vereinzelt zu einer Einbeziehung der Gemeinde gekommen ist, was Jungmann aber richtig als Grenzfall bezeichnet. Der Ursprung des Stufengebets ist, wie wir sahen, die stille Verneigung oder das Niederwerfen des Pontifex vor dem Altar nach dem Einzug, wobei er nach dem Ordo Romanus XVII pro se vel pro peccata populi betet. Das ist eindeutig ein privates Vorbereitungsgebet auf die Meßfeier, wie es auch die Apologien des 9. Jahrhundert waren. Von einer irgendwie gearteten Beteiligung des Volkes ist dort keine Rede.
                                                                                             
Auch mit dem Aufkommen des Confiteor als neuer Form des Sündenbekenntnisses ab der ersten Jahrtausendwende ändert sich das nicht. Eine Beteiligung des Volkes gab es nicht, außer in den erwähnten späten Einzelfällen. Vielmehr zeigt das im Anfang häufige Gegenüber von Priester und Diakon beim Confiteor deutlich, daß es sich hierbei um einen Dialog zwischen den Zelebranten, also Priester und Diakon, handelt. Der Brauch von Sarum sieht den Subdiakon ebenfalls als Zelebranten,  entsprechend der um diese Zeit aufkommenden Ansicht, den Subdiakonat unter die höheren Weihen zu zählen: der Priester steht zwischen Diakon und Subdiakon und betet abwechselnd mit ihnen das Stufengebet. So ist es bis heute geblieben. Das Stufengebet ist demnach die private  Vorbereitung  des  Altarklerus auf die Meßfeier. […]

(Martin Reinecke in: Dominus Vobiscum 10, 2015)

Beim Stufengebet, Confiteor